Vertriebene & Aussiedler
01.09.2016, 12:25 Uhr | Kulturelle Identität stärken - Geschichte bewahren
 
Jostmeier besucht deutsche Minderheit an der Wolga
Zum 75. Jahrestag des Stalin Ediktes zur Vertreibung der Deutschen folgte der hiesige Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier (CDU-Beauftragter für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler) in diesen Tagen einer Einladung der „öffentlichen Gesellschaft für nationale kulturelle Autonomie der Deutschen im Gebiet Saratow“ (frühere Wolgarepublik).
Kulturelle Identität stärken - Geschichte bewahren -
Am 28. August 1941 mussten durch den Stalin-Erlass ca. eine Million Deutsche, die seit Generationen vor allem in der Wolgaregion lebten, innerhalb von 24 Stunden ihre Häuser verlassen, um in Viehwaggons gepfercht nach Sibirien, Kasachstan und Mittelasien deportiert zu werden. Erst nach der Wende 1990 konnten einige an die Wolga zurückkehren. Viele kamen als Spätaussiedler nach Deutschland. Ein Großteil (ca. 400.000) ist heute über ganz Russland verteilt. In Katharinenstadt (heute Marx) der Hauptstadt der Wolgarepublik lebten 1941 etwa 22.000 Einwohner, davon 95% Deutsche. Und heute sind es von 30.000 Einwohnern etwa 10% Deutsche, d.h. 3.000. 
 
Jostmeier besuchte insgesamt acht Gedenkveranstaltungen, Kranzniederlegungen, Gottes-dienste, Diskussionsrunden, sowie Gesprächs- und Kulturabende und stellte dabei erfreut fest, wie sehr deutsche Kultur- und Sprachbeiträge, insbesondere aber auch Gäste aus Deutschland willkommen sind. Zwei Gedenkveranstaltungen boten dem Dülmener die Gelegenheit, im Rahmen eines Redebeitrages nicht nur Grüße, Mitgefühl und Solidarität zum Ausdruck zu bringen, sondern auch die hervorragende Integration der Spätaussiedler ebenso wie ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen in Deutschland zu würdigen. 
 
Jostmeier war in diesem Jahr der einzige offizielle Vertreter als Gast aus Deutschland; daneben nahmen zwei Russlanddeutsche aus den NRW-Landsmannschaften teil. „Was einem besonders nahe geht, ist die Tatsache, dass sie niemanden von den etwa 500 Teilnehmern treffen, der nicht aus seiner Familie von einem unvorstellbar grausamen und harten Schicksal berichten könnte“, so Jostmeier. Gerade die persönlichen Begegnungen und Gespräche sind es, die den Menschen so wichtig sind, um auch bei den Landsleuten in Deutschland nicht vergessen zu werden. Die diesjährigen Gedenktage wurden getragen durch drei Gruppen: Zum einen durch Künstler, die in einer Woche Denkmäler wie Kirchen und Verwaltungs- und Bürohäuser der früheren deutschen Einwohner in Bildern festhielten. Die zweite Gruppe war eine Jugendakademie von etwa 50 jungen Russlanddeutschen, ebenfalls aus allen Teilen des heutigen Russlands, die in einer Woche ein Theaterstück schrieben, es einübten und bei den Gedenkfeierlichkeiten aufführten. Die dritte Gruppe bestand aus den Vorsitzenden und Vorständen der deutschen Kulturvereine von Russlanddeutschen aus etwa zehn großen russischen Städten. Diese Treffen der Menschen dienen auch dazu, das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehemaligen Wolgadeutschen, die heute über ganz Russland verteilt sind, zu stärken. 
 
„Ich bin erstaunt, wie sehr das offizielle Russland, die Parlamentarier der Staatsduma und die Bürgermeister und Regionalminister vor Ort das damalige Geschehen mit deutlichen Worten verurteilen und ihre große Verbundenheit und Solidarität mit den Deutschen zum Ausdruck bringen“, so Jostmeier und verweist auf die von der Bundesregierung vorgelegte Konzeption zur Weiterentwicklung und Pflege der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa nach dem Bundesvertriebenengesetz: „Dieser deutsche Beitrag für die Kulturarbeit in den historischen deutschen Siedlungsgebieten soll die kulturelle Identität Deutschlands und Europas stärken. 
 
Der Kopf, das Herz, die treibende und verbindende Kraft, die Organisatorin, die Ansprechperson  und Mittlerin zwischen den Russlanddeutschen und den staatlichen und gesellschaftlichen Stellen ist Helena Gejdt, eine sympathische und zielstrebige Mittfünfzigerin, verheiratet mit einem Russen und Mutter zweier Töchter. Sie leitet und koordiniert mit einem Team von 6 Vollzeit- und 22 Teilzeitkräften aus Marx, der Hauptstadt der früheren Wolgarepublik, diese Gedenkfeiern und alle Aktivitäten über das Jahr. Sie ist im Vorstand der Landesvereinigung aller Russlanddeutschen Kulturvereine in Moskau und leitet die Deutschen Vereine in 6 Regionen im Süden Russlands. Ihre Eltern wurden ebenso wie alle anderen Deutschen 1941 nach Sibirien deportiert.  Heute leben ihre Eltern, die Schwester und zwei Brüder in Deutschland. Sie ist diejenige, die in Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen „den gesamten deutschen Landen im Süden Russlands“ zusammenhält. 
 
Ausflüge in die ehemals deutsch besiedelten Dörfer gehörten zum Programm. Eine der Gedenk-feiern fand in der lutherischen Kirche in Sorkin, der ehemaligen Kolonie Zürich, statt. Diese Kirche wurde vor 2 Jahren auf Initiative und Kosten eines russlanddeutschen Unternehmers wieder aufgebaut. 
 
Ein besonderes Anliegen verbunden mit einer herzlichen Einladung war und ist den gastgebenden Organisationen der Deutschen in Russland: Kontakte und Partner- und Patenschaften zu Kommunen, Schulen, Kultureinrichtungen, Chören, Sportvereinen, sozialen und caritativen Orga-nisationen in NRW.  Interessen melden sich gerne bei Werner Jostmeier.

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