Vertriebene & Aussiedler
30.09.2015, 12:30 Uhr | Erinnerung an erlittene Vertreibung wachhalten, Flüchtlingen willkommen heißen
 
Tag der Heimat der CDU-Landtagsfraktion NRW
Am 1. September hatte die CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen zu einem Festakt anlässlich des Tages der Heimat geladen. Die Veranstaltung fand erstmals im Haus Oberschlesien in Ratingen-Hösel statt. Seit 1950 wird der Tag der Heimat bundesweit begangen.
Erinnerung an erlittene Vertreibung wachhalten, Flüchtlingen willkommen heißen -
Er soll an die über 14 Millionen Deutschen erinnern, die infolge des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat in Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien, dem Sudetenland und vielen anderen Siedlungsgebieten in Ost-, Mittel- und Südosteuropa vertrieben wurden. Über zwei Millionen Menschen fanden auf der Flucht und während der Vertreibung den Tod durch Hunger, Entkräftung oder ertranken nach Fliegerangriffen in der eiskalten Ostsee. 
 
Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Armin Laschet, betonte: „Flucht und Vertreibung sind Teil der deutschen Geschichte und der nordrhein-westfälischen Landesidentität. Die Erinnerung an erlittenes Unrecht wachzuhalten ist daher eine wichtige Landesaufgabe. Als Patenland gleich zweier Vertriebenengruppen – der Oberschlesier und der Siebenbürger Sachsen – steht Nordrhein-Westfalen hierbei in besonderer Verantwortung. Wer heute in Rente geht, hat den Krieg nicht mehr erlebt, wer heute seinen Führerschein macht, kennt die Berliner Mauer nur aus dem Fernsehen. Die Zeitzeugen werden weniger, daher kommt der Wissensvermittlung große Bedeutung zu. Nur so können wir aus der Vergangenheit lernen. Unser Ziel bleibt, dass die ehemalige Landesstelle Unna-Massen mit einer Gedenkstätte und einem Dokumentationszentrum zur Erinnerung an die Vertreibung Deutscher nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ausgestattet wird – nicht obwohl, sondern auch weil dort auch heute wieder Flüchtlinge eine erste sichere Anlaufstelle in Nordrhein-Westfalen finden.“ 
 
Heiko Hendriks MdL, Landesvorsitzende der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung (OMV) der CDU NRW, betonte, dass Veranstaltungen wie diese außerordentlich wichtig seien, weil dort auch Geschichtsfakten vermittelt würden. „Nur wer die Geschichte kennt, kann aus ihr lernen“, erklärte Hendriks. „Wenn es heute gelingt, Lehren aus der Geschichte für die Zukunft zu ziehen, dann hat sich diese Veranstaltung gelohnt“, war sich der Landeschef der OMV sicher und dankte der Landtagsfraktion für die Organisation und Durchführung des Festakts. 
 
Der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) und Bundestagsabgeordnete Dr. Bernd Fabritius (CSU) bezeichnete die Veranstaltung in seiner Festrede als „ein Bekenntnis zur Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen, zu der wir Vertriebenen untrennbar gehören“. In seiner Rede schlug Fabritius den Bogen von der Vergangenheit zur Flüchtlingswelle der Gegenwart, getreu dem diesjährigen Motto „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“. Er forderte, den heutigen Schutzsuchenden gegenüber „mehr Empathie entgegenzubringen, als unseren Müttern und Vätern damals entgegengebracht wurde“. Gleichzeitig forderte er eine klare Differenzierung zwischen diesen Opfern, die um Leib und Leben fürchten müssen, einerseits – und denjenigen Flüchtlingen, die eindeutig aus wirtschaftlich begründeten Ursachen ihr Land verlassen, andererseits. Mit Blick auf den neuen Gedenktag für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni betonte Fabritius: „Diesen Gedenktag war uns Deutschland schuldig.“ An diesem Tag werde man auch zukünftig an die Vertreibungsverbrechen erinnern. Den Tag der Heimat nannte der Präsident des BdV einen festen Ankerpunkt im Terminkalender des Verbandes mit Blick auf die Zukunft. „Im Gegensatz zum nationalen Gedenktag (…) rückt der Tag der Heimat also das Leben und Überleben, die Gegenwart und Zukunft unserer Heimat in den Fokus der Aufmerksamkeit“, so Fabritius. Den Tag der Heimat werde man auch in Zukunft begehen, denn seine Legitimation beziehe er aus 65 Jahren verlässlichen Handelns des BdV und der Heimatvertriebenen. 
 
Werner Jostmeier MdL, Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten, dankte den Vertriebenenverbänden für ihre Arbeit, das reiche Kulturerbe der ehemaligen deutschen Ostgebieten und der Siedlungsgebiete der Deutschen in Europa zu erhalten. „Bitte machen Sie weiter. Die CDU-Landtagsfraktion steht dabei an Ihrer Seite“, rief er den Teilnehmern im vollen Saal des Hauses Oberschlesien zu. Dabei richtete er auch den Blick auf die deutschen Minderheiten in den Heimatgebieten. Man müsse dafür sorgen, dass sie ihre Kultur und Identität pflegen können. Dazu gehöre unabdingbar die Sprache. Daher sei ein Bildungswesen für die Deutschen, insbesondere in Polen, ein wichtiger Baustein zur Sicherung der Existenz der deutschen Volksgruppe.
 
In der anschließenden Gesprächsrunde mit der Zeitzeugin Monika Dahlhoff, dem Landesvorsitzenden der Deutschen aus Russland in NRW, Alexander Kühl, sowie Düzen Tekkal, Journalistin und Filmemacherin jesidischer Herkunft und der integrationspolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Serap Güler MdL, wurde das Thema mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden, Armin Laschet, unter der Moderation von Dr. Stephan Kaiser, Direktor des Oberschlesischen Landesmuseums, weiter vertieft. Schnell wurde deutlich, dass die Fluchterfahrung, so unterschiedlich die Fluchtgründe auch seien, ein zutiefst persönliches Erlebnis ist, das den einzelnen Menschen ein Leben lang begleitet. Das Trauma der Flucht hat viele Vertriebene bis zum heutigen Tag daran gehindert, über ihre Erlebnisse zu berichten. Das zeigte auch der Beitrag der ostpreußischen Zeitzeugin Monika Dahlhoff, die ihren Leidensweg zwar niedergeschrieben hat, jedoch bis heute emotional tief Ergriffen über ihre eigene Geschichte spricht. Die Betroffenheit im Publikum hat gezeigt: Auch Schweigen ist zuweilen ein starkes Wort.

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